Am 13. Dezember - einen Tag vor meinem Geburtstag - ist der Tag der Tage gekommen, den wohl ein jeder von uns so fürchtet, sei es, weil er selbst betroffen ist, oder weil er jemanden gehen lassen muss. Ich musste jemanden gehen lassen und ging wohl gut ein Stückchen mit.
Die Flamme meines lebens, die mich immer wieder entzündete; meine Hoffnung und mein Vorbild hauchte an besagtem Tag alleine ihr Leben aus. In einem schäbigen Krankenhaus, das es nicht verdient, so genannt zu werden.
Genau 4 Wochen vorher fuhr ich sie dorthin...zur Schlachtbank will ich im Nachhinein fast schon denken. Wasser im Bauch...ja - müssen wir untersuchen. Diagnostikermarathon und Wochen später die angesetzte OP. Komplett den Bauch ausgeräumt, alles Krebs. Sie lag im Koma und der krankenhausinterne Pfarrer wurde gerufen, der ein schäbiges Vater-unser herunterleierte...in Gedanken wohl schon beim Mittagessen. Unsere Würdenträger....ich bin so erbost....zürne mit der Welt und mit Gott. warum werden schreckliche Menschen 150 und quälen ihr Umfeld noch möglichst lang? Nur die Guten streben früh. Pah. Pah!³
Es ist nichts gerecht. Nichts. Auch nicht mein Hadern mit Allem und Jedem. Aber meine Verzweiflung muss heraus.
Sie war der gläubigste Mensch, den ich kannte und kenne. Und gerade sie fragt mich zwei tage vor ihrem Tod, ob sie der Herrgott verlassen hat. Ein Leben im Dienste des Glaubens. Das Geschenk: ein armseliger Tod nach 4 Wochen Schmerzen in Einsamkeit.
Ich frage mich immerzu, warum sie mir an diesem Freitagabend am 12. Dezember zum geburtstag gratulierte...ich sagte: Ach Oma, ich hab doch erst übermorgen! Und sie erwiderte: Ich weiß.
Das Leben ist nicht gerecht. Und wenn es einen Gott gibt, so habe ich die Vorstellung, dass er ein kleiner Junge ist, der unbedarft mit Bauklötzchen spielt und eigentlich gar nicht so richtig weiß, was das alles soll.
Ich falle und mein ehemaliges Netz - mein Glaube an den guten Sinn - ist plötzlich verschwunden. Übrig ist Frust und Hass...Verdrossenheit und Weißwein.
Mein Herz ist kalt und leer.
vor 4 Jahren
2 Kommentare:
dass sie dir zwei tage zu früh gratulierte, weil sie den tod ahnte, sollte dich trösten, besonders dieses kleine "ich weiß." weil es liebe war.
ich danke dir....ebensolches dachte ich bei mir.
tod ist immer sinnlos...egal, wie sehr man sich bemüht, in ihm einen sinn zu finden....
was bleibt, ist hoffnung....
Zukunft = Die Vergangenheit, die durch eine andere Tür wieder hereinkommt.
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